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Großübung am „Haus Leopold“ in Marquartstein
90 Einsatzkräfte probten den Ernstfall – Mehr als 40 gerettete Personen
Marquartstein. Rund 90 Einsatzkräfte der umliegenden Feuerwehren probten vor wenigen Tagen in der Kinderbetreuungseinrichtung „Haus Leopold“ am Burgberg in Marquartstein den Ernstfall. Angenommen war ein Feuer in den Abendstunden, was dazu führte, dass die Einsatzkräfte neben der Brandbekämpfung in dem vollbelegten Wohnheim eine umfangreiche Menschenrettung mit insgesamt 42 Übungsdarstellern durchführen mussten. Im Anschluss an die etwa zweistündige Übung wurde durch die Verantwortlichen ein erstes Fazit gezogen und die Teilnehmer durften sich auf Einladung der Gemeinde bei einer gemeinsamen Brotzeit stärken.
„Das Haus Leopold liegt in einer sehr beengten Lage mit eingeschränkt befahrbaren Zufahrtsmöglichkeiten“, informiert Marquartsteins stellvertretender Kommandant Florian Wölkl, der das Übungsszenario maßgeblich ausgearbeitet hatte. „Mit diesen Gegebenheiten wollten wir uns in der Praxis vertraut machen und schauen, wie die Abläufe bei einem größeren Einsatz funktionieren“, so der Übungsverantwortliche.
Von den Balkonen schreien Menschen um Hilfe, verletzte und offensichtlich geschockte Jugendliche kauern im Eingangsbereich des Wohntraktes, der Hausmeister ruft die Namen der abgängigen Hausbewohner, all dies waren die Zutaten für die Übung, die kaum von einem Ernstfall zu unterscheiden war. Das Gebäude war früher ein Altersheim und wird derzeit umfassend renoviert. Zukünftig wird es als Internatsgebäude mit Verwaltungsräumen für das pädagogische Zentrum des Schloss Niedernfels dienen.
Unmittelbar nach seinem Eintreffen am „Brandobjekt“ musste Kommandant und Einsatzleiter Hannes Träubner zusammen mit seiner Führungsmannschaft umfangreiche Erkundungen durchführen und den Einsatz in mehrere Abschnitte gliedern. So bildeten die Feuerwehren aus Grassau und Marquartstein eine Einheit und kümmerten sich neben der Brandbekämpfung und Menschenrettung um die Atemschutzsammelstelle.
Südseitig bahnten sich Floriansjünger aus Unterwössen und Staudach-Egerndach ihren Weg teilweise über Steckleitern ins Gebäudeinnere. Sie mussten außerdem eine etwa 150 Meter lange Schlauchleitung zur Wasserversorgung über einen Wiesenhang zum Brandobjekt verlegen. Eine unmittelbare Anfahrt zum Brandobjekt war für sie nicht möglich.
Vom angenommenen Brandgeschehen aufgeschreckte Jugendliche, die lautstark nach ihren Freunden und Betreuern riefen und die Rettungskräfte zur Eile drängten, erschwerten den Einsatzablauf durch ihre gut gespielte Angst und Panik. Einige der Feuerwehrleute wurden dafür eigens zur Betreuung und Erstversorgung der Betroffenen abgestellt.
Nach und nach drangen Atemschutzgeräteträger ins Gebäude vor und suchten nach den zahlreichen vermissten Personen. Nachdem diese aufgefunden waren, wurden sie sofort in Sicherheit gebracht und einer medizinischen Erstversorgung zugeführt. Insgesamt konnten 42 Bewohner und Betreuer gerettet werden. Das bereitstehende Drehleiterfahrzeug aus Unterwössen kam nicht zum Einsatz, wäre aber zur Menschenrettung aus den oberen Stockwerken eine weitere Option gewesen.
Nicht alle vermissten und vom Rauch eingeschlossenen Personen waren unmittelbar in Gefahr, jedoch konnten einige nicht eigenständig ins Freie gelangen und mussten von Feuerwehrleuten durch das Treppenhaus geführt oder gesichert über Leitern vom Balkon gerettet werden. Nachdem der vom Brand betroffene Gebäudeteil mit einem Überdrucklüfter rauchfrei gemacht worden war, konnte ein verletzter „Schauspielbewohner“ von Feuerwehrkräften mittels Trage durch das Treppenhaus in Sicherheit gebracht werden.
Die unverletzten Betroffenen wurden von Kräften der Feuerwehr und des Rettungsdienstes im nahegelegenen Schulhaus betreut, Verletzte an einer definierten Sammelstelle erstversorgt. Der Innenangriff mit insgesamt neun Atemschutz-Trupps in Zusammenhang mit koordinierten Maßnahmen wie dem gezieltem Löschangriff und der Belüftung des Brandobjektes führte letztlich zum raschen Auffinden und zur Rettung aller vermissten Personen.
Mit von der Partie waren auch die Mitglieder der Unterstützungsgruppe „Örtliche Einsatzleitung“ des Landkreises Traunstein. Sie unterstützten die Einsatzleitung unter anderem bei der Führung der Lagekarte und ermöglichten dadurch einen strukturierten und übersichtlichen Ablauf der Übung. Seitens des Kreisfeuerwehrverbandes Traunstein waren Kreisbrandmeister Thomas Mayr, der Fach-Kreisbrandmeister Digitalfunk und Führung, Ingo Klepke sowie der Fachberater EDV, Daten und Kommunikation, Maximilian Geppert und Wolfgang Söldner als Übungsbeobachter vor Ort.
Außerdem war Wolfang Gasser von der Pressestelle des KFV Traunstein als Pressebetreuer und zur Einsatzdokumentation vor Ort. Für eine besonders realistische Verletztendarstellung sorgte das RUD-Team des Malteser Hilfsdienstes aus Traunstein. Diese „zauberten“ den Statisten täuschend echte Verletzungsmuster „auf den Leib“. Die Übungsdarsteller konnten aus den Reihen des Malteser Hilfsdienstes, durch den Nachwuchs der beteiligen Feuerwehren sowie durch Jugendliche aus dem Schloss Niedernfels rekrutiert werden.
Bürgermeister Andreas Scheck, einige Gemeinderäte, Mitarbeiter des „Haus Leopold“ sowie weitere Interessierte beobachteten die Übung und waren sichtlich beeindruckt von der Arbeit der ehrenamtlichen Rettungskräfte. Nach Abschluss der Übung kamen die Führungskräfte der beteiligten Feuerwehren aus Marquartstein, Unterwössen, Grassau und Staudach-Egerndach zu einer Nachbesprechung mit den Vertretern des Kreisfeuerwehrverbandes Traunstein zusammen.
Abgesehen von einigen kleineren Anregungen und Verbesserungsmöglichkeiten konnten die Übungsziele schnell und zielgerichtet erreicht werden. Den Abschluss bildete für die etwa 140 Mitwirkenden eine gemeinsame und von der Gemeinde Marquartstein spendierte Brotzeit in der Fahrzeughalle des Feuerwehrhauses. Hob
Text und Bilder
Hubert Hobmaier, Wolfgang Gasser
Kreisfeuerwehrverband Traunstein